yorick’s yearnings

Archive for November 2010

Box office – Miral / ميرال / מיראל

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Miral is quite an infamous movie. Infamous for its pro-palestinian perspective, its substantive lack of depth, subjectivity and even for the audacity of casting a “bollywood actress” for the female leading character. Much of this critic is not rightly deserved but might be due to the nature of expectations derived from Schnabel’s earlier movies, like Le scaphandre et le papillon.

While some or the critic can be rejected outright, the major problems remain. In fact, at least regarding my restricted talents, the movie as such is extremely challenging. First, there is the style in which Schnabel creates movies, his many different techniques, styles, blends that some times do not fit and are not always convincing (especially in the end when he does a sacrifice to popular taste by adding Tom Waits to Hind’s funeral).

The more challenging (and more fruitful) problem is posed by the perspective which, in a way, is similar to that of Le scaphandre et le papillon, as it is completely restricted to one view. While in the early movie, the perspective largely was that of the French editor Bauby – going as far as locking the audience into his body and looking through his eyes – the latter movie takes a strictly Palestinian position. This is very restricted and can be discussed in multiple (not necessarily negative) ways. First, the stories of the three main female characters: Hind, Nadia and Miral. Even though all of them remain somewhat anaemic, all of them face in their very own way a reality which forces them into action but which they cannot shape. In the end, the real hero of the movie turns out not to be Miral, who, like their mother leaves a desperate existence behind. The true hero is Hind al-Husseini, who is portrayed as a flawless saint, coming from some kind of a fairy tale long turned into forgotten history (illustrated by the old maps of the middle east shown in the beginning of the movie), struggling to turn wretched refugees and orphans into emancipated personalities able to carry on the fate of the Palestinian people. Of course, she fails. Not because of the archaic, traditionally patriarchal structure of the Palestinian society (which is thematized in a somewhat marginal way while telling Nadia’s story). Not because the invading Israelis, who mostly are portrayed as a dark, violent and alien force, but because of the frictions within the Palestinian society itself.

True, Israel is the bad guy in this film – but that is the Palestinian perspective on the matter, be it right or wrong. But the fact that most Israelis represent not real human beings, but a somewhat impersonal power, can be interpreted at least in two different ways. First, it can be seen as plainly anti-Semitic – the fact that the only “real” Israeli in the movie, a girl from Haifa that befriends Miral against her will, does not fit into the stereotype at all is no argument against it. Yet, I still am somewhat hesitant to apply this interpretation. The movie as such is – even though it is full with Hind’s social commitment and the political fight of Palestinian resistance movements – a completely anti-political movie, as Julian Schnabel himself pointed out. Like the historian Jacob Burckhardt 150 years ago, Schnabel portrays political power itself as evil and corrupting. It is not just the Israelis who distort a peaceful life. The Palestinians destroy themselves and their hopes for a better future by their political radicalism and their intolerance. In the end, Miral’s love, the Palestinian terrorist, not only seems to be refined and ready to make peace with Israel, but he also – and consequently – is murdered by his own people for his deviance. This murder destroy Miral’s dreams as effectively as the intifada and the political engagement of her pupils have destroyed Hind’s – and while Hind in the end is shown sitting in her empty school, old, deeply afflicted and lonely, the only perspective for Miral lies in leaving her country for good. In the end, all of them turn out to be a simple flower at the roadside, helpless watching how the wheels keep turning.

The movie has many minor defaults, above all because it fails to create multi-faceted, developing protagonists. But it gives an impressive account on the Palestininan perspective of the Mideast conflict and shows at the same time, why there are no simple solutions, even with regards to only one of the warring factions. To get an idea of the whole picture, however, a deeper involvement with the Israeli view also would be necessary.

Written by yorick

November 16, 2010 at 2:46 am

Photographies IV

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let’s just call it נוסטלגיה

Written by yorick

November 15, 2010 at 12:30 am

Apocolocyntosis I

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“Wir haben ihre Nachricht nicht erhalten” – eine Groteske[1]

In einer deutschen Kleinstadt, zu Besuch bei einem mittelgroßen Verlag für wissenschaftliche Literatur. Angelockt vom guten Ruf der Publikationen und dem Interesse am Literaturbetrieb möchte ich hier ein Volontariat absolvieren und soll mich vorstellen. Zum zweiten Mal übrigens, denn bereits im Sommer war ich zu einem Bewerbungsgespräch in die Hauptstadt gefahren. Nun wird es ernst, der Verleger höchstpersönlich will mich kennenlernen.

Und gleich lerne ich die erste, wichtigste Lektion: Ich bin ganz unten in der Nahrungskette. Nein, weniger, denn dort hätte meine Existenz ja einen gewissen Sinn. Das Gespräch fällt aus, stattdessen bekomme ich vom Verleger, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Napoleon und Günter Grass aufweist, gleich einen Arbeitsauftrag: „Wir haben da so Listen zu pädagogischer Psychologie, suchen Sie mal raus was da interessant sein könnte! Setzen sie sich da hinten hin. Und dann überlegen sie sich, wie man dem Sarrazin ein wenig helfen kann.“ Schüchtern und verzagt schleichen sich Worte über meine Lippen, die ich schon bedauere, bevor ich sie zu Ende gesprochen habe: „Was für Konditionen….Volontariat….“ – „Das braucht sie nicht zu interessieren. Wenn ihnen das nicht paßt, können Sie gleich gehen!“

Nunja, jeder hat mal einen schlechten Tag. Ich gehe also in Büro und stelle mich den dort anwesenden Mitarbeitern vor, was diese zur Kenntnis nehmen. Eine Einweisung gibt es nicht, aber nach einigen dummen Fragen erklärt mir immerhin jemand, welches Programm ich bedienen muss. Da ich es nicht kenne, bitte ich um eine kurze Einweisung – und da der stellvertretende Verleger auch gerade da ist, um eine kleine Konkretisierung meines Arbeitsauftrages. Der flucht: „Nie ist hier irgendwas vorbereitet, so geht das jedesmal, echt! Ich stehe jeden morgen um sechs auf um den Laden in Schwung zu halten, aber was nützt das hier?“ Helfen kann er mir nicht. „Ich weiß auch nicht, was sie tun sollen.“

„Das ist eine Intelligenzfrage“

Es ist Mittag, ich habe endlich ein paar Arbeitsergebnisse vorzuweisen. Meine Kollegen gehen in die Mittagspause, ich gehe zum Chef – um mir die nächste Rüge abzuholen. Zuerst lerne ich, daß man mit dem Chef nicht reden kann, ohne zuvor eine Besprechungsliste angefertigt zu haben, auf der man Arbeitsschwerpunkte und Fehler – eigene natürlich! – aufzuführen hat. Für diesen Zweck, lasse ich mir sagen, ist eine schöne Handschrift unverzichtbar, der Chef muß den Besprechungszettel schließlich lesen können, damit er weiß, über welche Themen er sprechen will.

Dann lerne ich, daß ich auch sonst ein jämmerlicher Versager bin: „Ich habe ihnen doch ausdrücklich gesagt, daß sie Zeitschriften zum Hitler raussuchen sollten. Und was haben sie gemacht? Das ist völlig unbrauchbar!“ Bei der nächsten Besprechung lerne ich, das Fachzeitschriften keine Zeitschriften sind.

Bevor sich die Gelegenheit zu einem weiteren Gespräch ergibt, bekomme ich einen Artikel aus SPON auf den Tisch: „Schreiben sie darüber eine Pressemitteilung zum Sarrazin!“ Gesagt, getan – praktisch, daß ich mittlerweile auch den Presseordner gefunden habe, wo ein Muster für die PM’s liegt. Nach zehn Minuten bin ich beim Chef – der hat aber grad keine Zeit und schickt mich ins Büro zurück, wo ich warten soll… als ich nach über einer Stunde endlich sein Büro betreten darf, erklärt er mir, daß ich selbstverständlich eine PM zum Hitler hätte schreiben müssen. „Sie hätten doch merken müssen, daß das nicht paßt – das ist doch Schwachsinn!“ Klar, nur paßt der Artikel noch viel weniger zum Buch über Hitler, denn es geht im Artikel um den wirtschaftlichen Schaden, der durch Kriminalität verursacht wird und dem Zusammenhang von Kriminalität und Bildungsniveau. Eigentlich eins der Themen, um die es bei der “Sache Sarrazin” auch geht. Das andere Buch setzt sich allerdings mit Hitlers Versagen auf der Realschule auseinander und sieht dort – gewissermaßen – die Wurzel einer Neurose, die Hitler zu dem machte, was er war. „So geht das doch nicht – und jetzt gehen sie, machen eine zum Hitler.“ Natürlich ist es Wahnsinn, jetzt Einwände zu äußern – ich tue es trotzdem. Zack! „Bewerben Sie sich bei mir oder ich mich bei ihnen?“

„Sie bekommen hier irgendwas hingeknallt und dann machen sie was draus“

Also gut, ich schreib ja schon. Natürlich ist die Pressemitteilung inhaltlich – gewagt. Aber es gelingt mir immerhin, einzelne Bezüge zum Artikel herzustellen und ein paar knackige Zitate aus dem Buch, das ich bewerben soll, sinnvoll unterzubringen. Und wieder darf ich anderthalb Stunden warten, bis der Chef Zeit hat, einen Blick darauf zu werfen. Die anderen Mitarbeiter sind mittlerweile – bis auf zwei – alle nach Hause gegangen. Ich nutze die Wartezeiten, um die beiden aktuellen Bücher über Hitler und Sarrazin zu lesen um mich fortzubilden. Denn dort erfahre ich allerhand neues, zum Beispiel, daß Hitler ein lebenslager Versager war, sein Schultrauma ihn zum Misanthropen machte und einen „lebenslangen Amoklauf“ auslöste. Oder hübsche Kleinigkeiten: wußten Sie schon, daß der D-Day am 4. Juli 1944 war? Vielleicht hat es ja seine Gründe, daß eine befreundete Lübecker Buchhändlerin den Verlag mittlerweile boykottiert.

Als der Verleger dann endlich Zeit für mich hat, braucht er keine zehn Sekunden um über mein Schicksal zu entscheiden. Er liest meinen Text nicht einmal, sondern überfliegt nur die Überschrift: „Da ist ja gar kein Zusammenhang“. Während ich mich noch bemühe, diesen Satz in einen inhaltlichen Zusammenhang zu bringen, fährt er fort: „In Berlin war man ja überzeugt von ihnen, Herr….wie hießen sie doch gleich? – ich seh das nicht so. Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen.“ Damit bin ich entlassen.


 

[1] Alle Zitate sind O-Töne, der Verlag und der Name des Verlegers sind mir bekannt.

Written by yorick

November 13, 2010 at 10:36 am

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